Projekt Hochstädter Haus

 Die „Mutbürger“ schreiten erneut zur Tat

Hochstädter haben ein neues Projekt – Diesmal wird ein Dorfgemeinschaftshaus in Eigenregie gebaut. Was einmal geht, geht auch zweimal. Angespornt von ihrer „Kunstmeile“ haben Bürger in Hochstädten, einem rund 760 Einwohner zählendem Stadtteil von Bensheim im Südhessischen, ihr zweites Projekt in Angriff genommen. Vier Jahre nach der als Kunstwerk deklarierten Umgehungsstraße soll nun das „Hochstädter Haus“ realisiert werden – ein Dorfgemeinschaftshaus. Und dies einmal mehr in Eigenregie.

Schon im Herbst 2010 hatten die Hochstädter ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und sich nicht auf die Obrigkeit verlassen. Die Durchfahrtstraße des Ortes wurde damals für fast vier Monate saniert. Die Verbindung zur Außenwelt war dadurch quasi abgeschnitten – mal von einer waghalsigen Tour über einen Waldweg und einer kilometerlangen Umleitung abgesehen. Doch was tun? Die Hochstädter, die sich seither gern als „Mutbürger“ bezeichnen, schritten zur Tat. 

Sie bauten in Eigenregie eine „Umgehungsstraße“. Da sie für eine ordentliche Straße aber eine Baugenehmigung gebraucht hätten, dehnten sie die Gesetze entsprechend aus und machten die 220 Meter lange Schotterpiste zu einem Kunstwerk – und Kunst ist durch das Grundgesetz bekanntlich geschützt und frei. Rund 50.000 Mal wurde die Strecke letztlich genutzt. Und das erfolgreiche Projekt machte bundesweit von sich Reden. 

Das erhoffen sich die „Mutbürger“ nun auch von ihrem zweiten eigenen Projekt, zu dem die Arbeiten im Herbst beginnen sollen. Die Planungen für das „Hochstädter Haus“ dagegen sind schon weit fortgeschritten. „Ein Dorfgemeinschaftshaus ist schon seit 20 Jahren hier ein Thema. Jetzt soll es endlich realisiert werden“, erklärt Andreas Klemm. Laut dem zweiten Vorsitzender des Fördervereins war das Straßen-Projekt der Weg hin zum Dorfgemeinschaftshaus-Projekt. 

„Es hat uns klar gemacht, was alles möglich ist. Es hat uns auch das Selbstvertrauen und die Lust gegeben, auch dieses Projekt in Angriff zu nehmen und es zu einem Erfolg machen zu können. Und die Resonanz im Ort wird immer größer“, sagt Klemm.  Und so schreiten die „Mutbürger“ einmal mehr zur Tat. Zwar fangen sie diesmal nicht bei Null an, wie bei der Kunstmeile, die vorher nicht existent war. Doch die Kosten für das „Hochstädter Haus“ sind deutlich höher. „Es ist eigentlich weniger als ein Rohbau“, macht der Zweite Vorsitzende mit Blick auf das Gebäude deutlich. Rund 500.000 Euro sind daher erforderlich, um die ehemalige Kantine eines Bergwerkes, die wegen zweier Wandgemälde unter Deckmalschutz steht und von der Stadt Bensheim zur Verfügung gestellt wurde, in das Dorfgemeinschaftshaus umzuwandeln. 

Geld, das die Hochstädter (noch) nicht haben. Eine Tatsache, die den Ehrgeiz der „Mutbürger“ umso mehr herausforderte. So erbringen sie vieles in Eigenleistung, Sponsoren helfen, Firmen aus der Umgebung auch, übernehmen etwa die Installation der Heizung oder decken das Dach. Es gibt eine eigenen Internetauftritt des Hauses samt Film und Online-Shop sowie die Möglichkeit, online zu spenden. „Was übrigens auch schon eine Frau aus dem US-Bundesstaat Ohio getan hat. Sie hat eine Verbindung zu Hochstädten – und unser Projekt hat ihr wohl gefallen“, sagt Klemm.  

Engagement und Umtriebigkeit der Hochstädter ist zudem längst in der Landeshauptstadt Wiesbaden bekannt. Klemm traf sich erst jüngst mit dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier – und der Landesvater sei begeistert von dem Projekt gewesen. „Er war interessiert und hat erklärt, dass er so etwas nur unterstützen könne“, erzählt der Zweite Vorsitzende von dem Gespräch mit Bouffier. Je mehr Unterstützung die „Mutbürger“ letztlich haben, gleich welcher Art, umso schneller lässt sich das „Hochstädter Haus“ verwirklichen. 

Derzeit nutzen die Einwohner des Ortes übrigens noch einen renovierten, himmelblauen Bauwagen als mobiles Dorfgemeinschaftshaus – kurz Modog genannt.  Wann das immobile Dorfgemeinschaftshaus indes fertig wird, ist noch offen. Eins scheint derweil gewiss: Dieses neueste Projekt der Hochstädter wird nicht die letzte pfiffige Idee bleiben, die aus eigener Kraft verwirklicht wird. Denn was zweimal geht, geht auch dreimal.

 

Info unter www.hochstaedten.net   oder www.projekt-hh.net

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Projekt Tel.: 06251 - 9889976    Tel. Dorfladen 06251-9449265